Crno jezero – der Schwarze See

Das Attribut “schwarz” begegnet einem in Montenegro immer wieder. Schließlich nennt sich das Land selbst “Schwarzes Gebirge” (Crna Gora), es gibt sogar einen gleichnamigen Ort und im Durmitor-Nationalpark ist das beliebteste Ausflugsziel der “Schwarze See (Crna jezero). Seinen Namen erhielt er, weil durch seine Tiefe von bis zu 50 Metern seine Oberfläche fast schwarz wirkt.

Dass der Gletschersee sowohl in- als auch ausländische Touristen anzieht, lässt sich unschwer erkennen. Den asphaltierten Weg säumen Stände mit Honig, Wein und Beeren, Kinder fahren mit lärmenden Spielautos im Wald herum und die Montenegriner rücken mit ganzen Großfamilien zur Hauptattraktion an. Diese wartet mit zahlreichen Aktivitäten auf. Wer nicht mit dem Boot über den See fahren möchte, lässt sich mit der Ein-Mann-Seilbahn über das Ufer schießen oder kehrt im Ausflugslokal ein. Hauptsache nicht weit laufen, denn die Attraktionen konzentrieren sich alle um den Hauptstrand.

Wer einfach nur in Ruhe wandern möchte, muss nicht lange laufen. Der steinige Weg um den See ist wohl doch nicht jedermanns Sache und wird nach einigen hundert Metern erstaunlich ruhig. Es eröffnen sich wunderschöne Ansichten auf den Bergsee, der im strahlenden Sonnenlicht dann doch gar nicht mehr so schwarz aussieht.

Mit Auto durch die Tara-Schlucht

Kleines Quiz: Wo liegt die zweittiefste Schlucht der Welt?

a) USA
b) Kasachstan
c) Australien
d) Montenegro

Richtig ist natürlich Antwort d) Montenegro. Direkt nach dem Grand Canyon folgt die Tara-Schlucht in Montenegro auf der Liste der tiefsten Schluchten der Welt. Wie man sowas misst? Na vermutlich einfach ein Maßband nehmen, am Gipfel ankleben und bis zum tiefsten Punkt im Tal runterziehen. Über 1300 Meter sollte das Maßband aber schon lang sein. Und weil die montenegrinischen Geografen gerade dabei waren, haben sie auch gleich noch ausgemessen, dass die Tara-Schlucht die längste in Europa ist. Auf einer Distanz von 78 km schlängelt sich ein wilder Gebirgsfluss zwischen schroffen Felsen und viel Grün. Den Tara-Fluss kriegt man aber nur zu sehen, wenn man sich mit Schwimmwesten in ein Gummiboot setzt und Rafting betreibt – was wohl die mit Abstand beliebteste Sportaktivität der Region ist. Wir haben unsere Koffer ebenfalls kurz testweise ins Wasser gesetzt, dann aber festgestellt, dass sie nicht schwimmen und das Innere schneller nass wird, als wir Tara sagen können.

Enge Kurven, toller Blick: Die Tara-Schlucht per Auto

Also haben wir uns doch für die Variante mit dem Auto entschieden. Es ranken sich viele Legenden um die Tara-Schlucht. Eine davon ist, dass die Straße hier sehr schlecht ist und man höllisch aufpassen muss, nicht in einen Abgrund zu fahren. Zumindest ersteres stimmt definitiv nicht mehr. Auch mit unserem ziemlich abgenudelten Kleinwagen Chevrolet Spark (Danke an Hertz Montenegro für diese Gurke!) mit wenig PS ist die Strecke problemlos zu fahren. Es gibt kaum Schlaglöcher, dafür umso mehr Kurven. Anders als etwa in Korsika gibt es aber überall Leitplanken, man fährt also nicht direkt neben einem offenen Abgrund und muss dann dem Gegenverkehr ausweichen. Ein paar Engstellen gibt es natürlich auch, aber wenn man etwas aufmerksam fährt, ist die Straße zwischen Mojkovac und Zabljak durch die Tara-Schlucht nicht nur kein Problem – sondern vor allem landschaftlich sehr reizvoll. Immer wieder öffnet sich der Wald für atemberaubende Blicke in die tiefe Schlucht. Kleine Badestellen im (vermutlich eiskalten Fluss) glitzern in der Tiefe – leider für uns unerreichbar. Es gibt kaum Wege in die Schlucht – zumindest haben wir keine gesehen.

Das Rathaus von Kolašin

“Dieses Gebäude steht leer, oder”? Das Veranstaltungshaus mit den seltsamen Giebeldächern und dem morbiden Charme war sicherlich ein Überbleibsel aus der sozialistischen Zeit. Dieses Phänomen hatten wir bereits in mehreren montenegrinischen Orten beobachtet: Aus Mangel an zahlungskräftigen Investoren verfallen diese Gebäude nach und nach und werden zu stummen Zeugen einer vergangenen Zeit, die ihre Funktion verloren haben.
Aber halt – steht da nicht eine Tür offen? Dies war ein willkommener Anlass, das Gebäude etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Und tatsächlich: eine freundliche Dame am Empfang wies uns den Weg durch schummrige Gänge zu den Toiletten und nach einer kurzen Analyse des Schildes am Ausgang wurde schnell klar, das dies keineswegs ein Relikt aus der Vergangenheit war, sondern das Rathaus des Bergörtchens Kolašin! Nach dieser Erfahrung ist uns kein Hauseingang zu düster und kein Putz zu bröckelig, um nicht doch einen Blick in dieses oder jenes vermeintlich abgeschriebene Objekt zu werfen…

Die goldene Brücke von Danilovgrad

War das Geländer der Brücke immer schon goldfarbig? Oder ist es die Hoffnung der Einwohner von Danilovgrad auf goldene Zeiten, die sie dazu veranlasst hat, die Brücke über den Fluss Zeta ausgerechnet in dieser Farbe zu streichen? Wir wissen es nicht. Doch beim Sprungturm am Fuß der Brücke nutzen wir gemeinsam mit der Dorfjugend die Gelegenheit zum Bad im (wirklich eiskalten) Fluss. Von der Brücke aus kann man im klaren Wasser die kleinen und größeren Fische gut erkennen. Die Jugendlichen halten ihre Angelruten ins Wasser – doch die Fische beißen nicht an diesem heißen Spätnachmittag in Danilovgrad…

Kloster Ostrog: Kirche und Kommerz

In den Fels hineingebaut thront das Kloster Ostrog über der bergigen Landschaft. Der Andrang der Gläubigen ist groß, das Kloster ist eines der wichtigsten Heiligtümer der serbisch-orthodoxen Kirche. Vier Orte soll man laut Aushang als Gläubiger besuchen: 1. Die Kapelle, wo der heilige Vasilije gebetet hat, 2. Die Aussichtsterrasse (hier soll der heilige Vasilije gestorben sein), 3. Auf der Terrasse soll man geweihtes Öl oder Kerzen kaufen, 4. Beim Besuch des Souvenirshops gibt es Heiligenbilder in allen Größen und Ausführungen zu kaufen. Auch wir können uns dem Sog der Pilger nicht entziehen und erstehen am Snack-Automaten eine Packung Erdnüsse (vermutlich ebenfalls geweiht). Das frische Bergwasser am Brunnen kann man sich zum Glück gratis abfüllen.

Haie vor Hilton Head Island

Fischer auf Hilton Head Island

Als wir neulich am Stand von Hilton Head Island entlangspazierten, entdeckten wir zwei Angler, die in den Wellen standen und offensichtlich auf einen guten Fang hofften. Plötzlich spannte sich die die Schnur des einen Anglers, er kurbelte angestrengt und förderte schließlich diesen Fisch zutage. Nach kurzer Betrachtung nahm er ihn vom Haken und warf ihn im hohen Bogen zurück ins Meer.

Auf unsere Frage, warum er den Fisch nicht behalten habe, antwortete er: “It’s a shark. It’s not for dinner.” Und tatsächlich: Wer genau hinsieht, erkennt deutlich die charakteristische dreieckige Flosse…