Die Bucht von Kotor

Die Bucht von Kotor sollte eigentlich einer der Höhepunkte unserer Montenegro-Rundreise werden. Mehrere Orte in der Bucht und die Altstadt von Kotor aus dem 15. bis 18. Jahrhundert zählen schließlich zum Weltnatur- bzw. Weltkulturerbe der UNESCO.

Orte wie an einer Perlenkette

Aber wie das manchmal so ist, man plant zuhause, recherchiert in verschiedenen Reiseführern offline und online und liest sich durch Berichte in Foren – und vor Ort kommt dann doch alles ganz anders. Der erste Eindruck von der Bucht ist tatsächlich phantastisch. Erst fährt man durch eine weitgehend unbebaute staubige Ebene, die gut als Western-Kulisse dienen könnte, dann schlängelt sich die Straße in die Höhe und man sieht von oben herab in die Bucht von Kotor. Kleine Yachten kreuzen durch das Wasser, an den Ufern reihen sich die Orte wie an einer Perlenkette aneinander. Natürlich gibt es auch wieder die obligatorischen Bauruinen, stehen einige alte Gebäude und Hotels leer. Doch die alten Steinhäuser überwiegen und geben den Vororten von Kotor das idyllische Bild von alten Fischerdörfern.

Laute Uferstraße und ein dunkles Apartment

Diesen Eindruck findet man auch in den Fotos wieder. Was man nicht sieht: Zwischen Ufer und den Bergen ist nur wenig Platz. Zwei Reihen Häuser direkt am Ufer, zwei in Richtung Berge – und dazwischen verläuft die vielbefahrene Uferstraße. Wir hatten ein Studio in Ljuta gebucht, welches mit guten Bewertungen und schönen Fotos lockte. Sogar einen privaten Badeanleger mit Liegestühlen gab es. Dass es trotzdem nichts wurde mit der mondänen Sommerfrische in der malerischen Bucht, lag weniger an der Ausstattung des Apartments, welche komplett neu und für montenegrinische Verhältnisse überaus schick war, als daran, dass es direkt an die Uferstraße gebaut war. Das Auto parkten wir also auf dem Dach der Ein-Zimmer-Wohnung, hinter der Rückwand des Bettes verlief direkt oberhalb die Uferstraße. Eine wirklich kuriose Konstruktion, die sicher den begrenzten Platzverhältnissen geschuldet war. Es kam wie es kommen musste: Bei geschlossenem Fenster war das Studio sehr muffig und dunkel, bei geöffnetem kamen wir uns vor wie auf dem Ernst-Reuter-Platz (für alle Berliner) bzw. Horner Kreisel (alle Hamburger). Als auch noch die Toilette miefte wie ein feuchter, unrasierter Pudel, zogen wir die Hunde- bzw. Reißleine in Sachen Studio.

Nach nur einer Nacht (von fünf geplanten) steckten wir unserem Vermieter, dass wir mit dieser Konstellation nicht gerechnet hatten (zumal die Fotos bei Booking.com nur die schönen Seiten des Apartments zeigten) und zogen aus. Uns wurde schnell klar, dass praktisch alle bezahlbaren Ferienwohnungen in der inneren Bucht von Kotor mit dem Lärm der Uferstraße zu kämpfen haben und entschieden uns deshalb spontan dafür, gleich aus der Bucht hinaus nach Budva weiterzufahren.

Kotor: Auch bei Kreuzfahrten beliebtes Ziel

Auf dem Weg wollten wir natürlich Kotor dennoch einen kurzen Besuch abstatten. Wie sich herausstellte, war gerade das deutsche Kreuzfahrtschiff “Mein Schiff” eingelaufen. Und so wimmelte es in der kleinen Altstadt nur so vor Touristen, die ihren Guides (welche mit lustigen bunten Nummernschildern wedelten) hinterherliefen und das Programm “Weltkulturerbe-Stätte” absolvierten. Es war dann auch ziemlich voll und wuselig. Kein Wunder: Gibt es hier doch teils wirklich schöne Bürgerhäuser aus venezianischer Zeit. Natürlich ist die Altstadt von Kotor gespickt mit Restaurants und Souvenierläden, was ihr doch etwas vom Charme nimmt. Hier wäre weniger manchmal mehr gewesen. Kurzum: Nach rund einer Stunde hatten wir alles Sehenswerte gesehen und nahmen unseren  Mittagsimbiss bei einem Bäcker im unromantischen, betonmäßig verklotzten Teil von Kotor ein.

Unser Fazit: Für einen Tagesausflug ist die Bucht von Kotor prima geeignet, aber zum ruhigen Übernachten sollte man sich besser eine Unterkunft auf der Strecke davor oder danach suchen. Die Altstadt von Kotor ist am schönsten, wenn keine Touristen da sind, also vermutlich im Winter oder mitten in der Nacht (für letzteren Fall das Stativ für wackelfreie Fotos nicht vergessen). Doch auf den Fotos sieht man, welchen Charme dieser Ort doch hat.

Der Ring von Durmitor (mit Karte)

Abenteuerlustige Autofahrer oder alle, denen die Fahrt durch die Tara-Schlucht mit all den Leitplanken doch zu wenig aufregend war, finden im Ring von Durmitor das ideale Revier, um sich zu entfalten. Der Durmitor-Ring ist eine etwa 80 km lange Strecke, die über den beliebten Urlaubsort Zabljak in den Bergen von Montenegro führt. Gefühlt die Hälfte davon auf steilen Straßen direkt neben dem schroffen Abhang. Ein fahrerisches Erlebnis – wie wir es überlebt haben, erfahrt in diesem Artikel.

Durmitor Ring Jeep Tour: Teures Vergnügen

In Zabljak gibt es ein großes Angebot an so genannten Jeep-Safaris über den Durmitor-Ring. Man zahlt etwa 50 Euro pro Person, steigt dann morgens um 9 oder 10 Uhr in einen vierradgetriebenen Jeep oder Kleinbus und wird dann von einem Fahrer den ganzen Tag durch die Berge gebrettert. Wie es sich für eine Fototour gehört, gibt es zwischendurch immer wieder Stopps an besonders malerischen Stellen. So interessant das klingt – viel spannender und günstiger ist es natürlich, den Ring von Durmitor einfach selbst zu fahren.

Beste Voraussetzungen für den Ring of Durmitor

Unser Kleinwagen bot hierfür die optimalen Bedingungen: Abgefahrene Reifen, ausgelutschte Kupplung und ab Tempo 30 scheppert es vorne rechts im Radkasten, dass einem schon mulmig werden kann. Immerhin gehen die Bremsen. Ganz lieben Gruß an dieser Stelle übrigens an Hertz Montenegro, die uns diese Gurke von Mietwagen angedreht haben.

Und auch das Wetter hätte fast dafür gesorgt, dass aus dem Ring of Durmitor ein Schwimmring von Durmitor geworden wäre: Mit Regenschauern in der Nacht zuvor und am Morgen war sicher die ideale Grundlage für eine Bergtour auf potenziell schlammigen Straßen gelegt worden.

Karte vom Durmitor-Ring

Hier mal eine Google Map zum Ring of Durmitor, damit ihr einen Überblick habt:

Wir sind die Strecke im Uhrzeigersinn gefahren, man kann es aber natürlich auch umdrehen. Die Route führt von Zabljak über den Sedlo-Pass vorbei am Bobotov Kuk, dem höchsten Berg der Durmitor-Region. Es folgen die unscheinbaren Bergorte Trsa und Stuoc, die vor allem als Orientierungspunkte auf dem Weg dienen.

Tolle Ausblicke – temperamentvolle Fahrer

Der Durmitor-Ring im Uhrzeigersinn: Die ersten Kilometer hinter Zabljak führen durch eine Hochebene mit Ausblicken. Auf dem Weg zum Sedlo-Pass wird die Straße schmaler, die Umgebung bergiger. Fantastische Ausblicke wie in der Schweiz oder einigen Gegenden Schottlands warten hinter jeder der unzähligen engen Kurven. Immer wieder gibt es Haltebuchten – hier kann man prima Fotos machen oder einfach mal den Gegenverkehr vorbeilassen. Doch auch ohne Haltebucht beweisen die Montenegriner und Serben auf der Strecke ihren Ruf als temperamentvolle Autofahrer: Überholen geht auch bei einspurigen Straßen bergauf und direkt vor nicht einsehbaren Kurven. Wenn es eng wird, klappt man einfach per Hand den Außenspiegel ein und gibt erst dann Gas…

Zweckbauten statt Berg-Chalets

Der Sedlo-Pass bietet eine gute Gelegenheit für eine kleine Pause. Hinter ihm gehen die Serpentinen weiter – und die Gegend wird richtig einsam. Die kleinen Orte (wie Trsa) an der Strecke bestehen oft nur aus ein paar zusammengewürfelten Häusern und einer Scheune. Unverputzte Zweckbauten aus grauem Beton anstatt malerischer Berg-Chalets. Einige Bauern scheinen wirklich hier oben in den Bergen zu leben und mit der Schafzucht ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ansonsten gibt es viel unverbaute Natur zu bestaunen.

Willkommen im Land der Schlaglöcher

Bis Nedajno ist die Straße problemlos zu befahren. Es ist alles asphaltiert, keine schlammigen Feldwege wie wir befürchtet hatten. Natürlich gibt es Schlaglöcher wie Sand am Meer und wir werden in unserem Chevrolet Spark ordentlich durchgeschüttelt (hatte ich schon erwähnt, dass die Federung auch hinüber ist?).

Schotterpiste beim Ring of Durmitor

Drei Kilometer Offroad-Piste

Zwischen Nedajno und dem Susicko-See wird es haarig. Es fängt damit an, dass uns bei der Abzweigung in Richtung Zabljak ein junges tschechisches Pärchen in seinem neuen Peugeot entgegen kommt. Sie scheinen etwas Angst um ihr Auto zu haben. “This road is not good for us”, lautet ihr Kommentar. Auch als wir ihnen erklären, dass es bis Zabljak in dieser Richtung nur etwa 20 km sind – in die andere Richtung hingegen 60 km auf der Ringstraße, wollen sie ihren kostbaren Wagen nicht auf das folgende Wegstück loslassen. Wir hingegen folgen einfach der Devise “Don’t worry, it’s a rental!” (zu Deutsch etwa: Keine Sorge, ist ja nur ein Mietwagen) und sind ganz froh, dass wir uns auch gegen Reifen- und Unterbodenschäden versichert haben. Es folgen etwa drei Kilometer pure Schotterpiste, an der Offroad-Fahrer sicher ihre helle Freude hätten. Tief graben sich die Reifen unseres Kleinwagens in den Schlamm, der Wagen bäumt sich auf, als wir ihn hochtourig im ersten Gang über die Schlaglöcher jagen.

Man darf sein Auto nicht lieben

Im Reiseführer hatte gestanden: Man darf sein Auto nicht lieben, wenn man diese Strecke fahren will. Das stimmt wirklich. Andererseits sind es aber auch nur drei Kilometer. Dann landet man unverhofft auf einer absolut neuen Straße, die gerade den Berg hinaufgebaut wird. Ab hier ist die Strecke kein Problem mehr und der Weg nach Zabljak ist gut ausgeschildert. Geschafft und doch glücklich erreichen wir unsere Ferienwohnung. Unser Auto hat es auch überlebt. Vielleicht kannte es die Strecke auch schon von seinen Vormietern. Und wir können jetzt sagen: Der Ring von Durmitor – wir haben ihn bezwungen!

Crno jezero – der Schwarze See

Das Attribut “schwarz” begegnet einem in Montenegro immer wieder. Schließlich nennt sich das Land selbst “Schwarzes Gebirge” (Crna Gora), es gibt sogar einen gleichnamigen Ort und im Durmitor-Nationalpark ist das beliebteste Ausflugsziel der “Schwarze See (Crna jezero). Seinen Namen erhielt er, weil durch seine Tiefe von bis zu 50 Metern seine Oberfläche fast schwarz wirkt.

Dass der Gletschersee sowohl in- als auch ausländische Touristen anzieht, lässt sich unschwer erkennen. Den asphaltierten Weg säumen Stände mit Honig, Wein und Beeren, Kinder fahren mit lärmenden Spielautos im Wald herum und die Montenegriner rücken mit ganzen Großfamilien zur Hauptattraktion an. Diese wartet mit zahlreichen Aktivitäten auf. Wer nicht mit dem Boot über den See fahren möchte, lässt sich mit der Ein-Mann-Seilbahn über das Ufer schießen oder kehrt im Ausflugslokal ein. Hauptsache nicht weit laufen, denn die Attraktionen konzentrieren sich alle um den Hauptstrand.

Wer einfach nur in Ruhe wandern möchte, muss nicht lange laufen. Der steinige Weg um den See ist wohl doch nicht jedermanns Sache und wird nach einigen hundert Metern erstaunlich ruhig. Es eröffnen sich wunderschöne Ansichten auf den Bergsee, der im strahlenden Sonnenlicht dann doch gar nicht mehr so schwarz aussieht.

Mit Auto durch die Tara-Schlucht

Kleines Quiz: Wo liegt die zweittiefste Schlucht der Welt?

a) USA
b) Kasachstan
c) Australien
d) Montenegro

Richtig ist natürlich Antwort d) Montenegro. Direkt nach dem Grand Canyon folgt die Tara-Schlucht in Montenegro auf der Liste der tiefsten Schluchten der Welt. Wie man sowas misst? Na vermutlich einfach ein Maßband nehmen, am Gipfel ankleben und bis zum tiefsten Punkt im Tal runterziehen. Über 1300 Meter sollte das Maßband aber schon lang sein. Und weil die montenegrinischen Geografen gerade dabei waren, haben sie auch gleich noch ausgemessen, dass die Tara-Schlucht die längste in Europa ist. Auf einer Distanz von 78 km schlängelt sich ein wilder Gebirgsfluss zwischen schroffen Felsen und viel Grün. Den Tara-Fluss kriegt man aber nur zu sehen, wenn man sich mit Schwimmwesten in ein Gummiboot setzt und Rafting betreibt – was wohl die mit Abstand beliebteste Sportaktivität der Region ist. Wir haben unsere Koffer ebenfalls kurz testweise ins Wasser gesetzt, dann aber festgestellt, dass sie nicht schwimmen und das Innere schneller nass wird, als wir Tara sagen können.

Enge Kurven, toller Blick: Die Tara-Schlucht per Auto

Also haben wir uns doch für die Variante mit dem Auto entschieden. Es ranken sich viele Legenden um die Tara-Schlucht. Eine davon ist, dass die Straße hier sehr schlecht ist und man höllisch aufpassen muss, nicht in einen Abgrund zu fahren. Zumindest ersteres stimmt definitiv nicht mehr. Auch mit unserem ziemlich abgenudelten Kleinwagen Chevrolet Spark (Danke an Hertz Montenegro für diese Gurke!) mit wenig PS ist die Strecke problemlos zu fahren. Es gibt kaum Schlaglöcher, dafür umso mehr Kurven. Anders als etwa in Korsika gibt es aber überall Leitplanken, man fährt also nicht direkt neben einem offenen Abgrund und muss dann dem Gegenverkehr ausweichen. Ein paar Engstellen gibt es natürlich auch, aber wenn man etwas aufmerksam fährt, ist die Straße zwischen Mojkovac und Zabljak durch die Tara-Schlucht nicht nur kein Problem – sondern vor allem landschaftlich sehr reizvoll. Immer wieder öffnet sich der Wald für atemberaubende Blicke in die tiefe Schlucht. Kleine Badestellen im (vermutlich eiskalten Fluss) glitzern in der Tiefe – leider für uns unerreichbar. Es gibt kaum Wege in die Schlucht – zumindest haben wir keine gesehen.

Das Rathaus von Kolašin

“Dieses Gebäude steht leer, oder”? Das Veranstaltungshaus mit den seltsamen Giebeldächern und dem morbiden Charme war sicherlich ein Überbleibsel aus der sozialistischen Zeit. Dieses Phänomen hatten wir bereits in mehreren montenegrinischen Orten beobachtet: Aus Mangel an zahlungskräftigen Investoren verfallen diese Gebäude nach und nach und werden zu stummen Zeugen einer vergangenen Zeit, die ihre Funktion verloren haben.
Aber halt – steht da nicht eine Tür offen? Dies war ein willkommener Anlass, das Gebäude etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Und tatsächlich: eine freundliche Dame am Empfang wies uns den Weg durch schummrige Gänge zu den Toiletten und nach einer kurzen Analyse des Schildes am Ausgang wurde schnell klar, das dies keineswegs ein Relikt aus der Vergangenheit war, sondern das Rathaus des Bergörtchens Kolašin! Nach dieser Erfahrung ist uns kein Hauseingang zu düster und kein Putz zu bröckelig, um nicht doch einen Blick in dieses oder jenes vermeintlich abgeschriebene Objekt zu werfen…

Die goldene Brücke von Danilovgrad

War das Geländer der Brücke immer schon goldfarbig? Oder ist es die Hoffnung der Einwohner von Danilovgrad auf goldene Zeiten, die sie dazu veranlasst hat, die Brücke über den Fluss Zeta ausgerechnet in dieser Farbe zu streichen? Wir wissen es nicht. Doch beim Sprungturm am Fuß der Brücke nutzen wir gemeinsam mit der Dorfjugend die Gelegenheit zum Bad im (wirklich eiskalten) Fluss. Von der Brücke aus kann man im klaren Wasser die kleinen und größeren Fische gut erkennen. Die Jugendlichen halten ihre Angelruten ins Wasser – doch die Fische beißen nicht an diesem heißen Spätnachmittag in Danilovgrad…

Kloster Ostrog: Kirche und Kommerz

In den Fels hineingebaut thront das Kloster Ostrog über der bergigen Landschaft. Der Andrang der Gläubigen ist groß, das Kloster ist eines der wichtigsten Heiligtümer der serbisch-orthodoxen Kirche. Vier Orte soll man laut Aushang als Gläubiger besuchen: 1. Die Kapelle, wo der heilige Vasilije gebetet hat, 2. Die Aussichtsterrasse (hier soll der heilige Vasilije gestorben sein), 3. Auf der Terrasse soll man geweihtes Öl oder Kerzen kaufen, 4. Beim Besuch des Souvenirshops gibt es Heiligenbilder in allen Größen und Ausführungen zu kaufen. Auch wir können uns dem Sog der Pilger nicht entziehen und erstehen am Snack-Automaten eine Packung Erdnüsse (vermutlich ebenfalls geweiht). Das frische Bergwasser am Brunnen kann man sich zum Glück gratis abfüllen.