Der Ring von Durmitor (mit Karte)

Abenteuerlustige Autofahrer oder alle, denen die Fahrt durch die Tara-Schlucht mit all den Leitplanken doch zu wenig aufregend war, finden im Ring von Durmitor das ideale Revier, um sich zu entfalten. Der Durmitor-Ring ist eine etwa 80 km lange Strecke, die über den beliebten Urlaubsort Zabljak in den Bergen von Montenegro führt. Gefühlt die Hälfte davon auf steilen Straßen direkt neben dem schroffen Abhang. Ein fahrerisches Erlebnis – wie wir es überlebt haben, erfahrt in diesem Artikel.

Durmitor Ring Jeep Tour: Teures Vergnügen

In Zabljak gibt es ein großes Angebot an so genannten Jeep-Safaris über den Durmitor-Ring. Man zahlt etwa 50 Euro pro Person, steigt dann morgens um 9 oder 10 Uhr in einen vierradgetriebenen Jeep oder Kleinbus und wird dann von einem Fahrer den ganzen Tag durch die Berge gebrettert. Wie es sich für eine Fototour gehört, gibt es zwischendurch immer wieder Stopps an besonders malerischen Stellen. So interessant das klingt – viel spannender und günstiger ist es natürlich, den Ring von Durmitor einfach selbst zu fahren.

Beste Voraussetzungen für den Ring of Durmitor

Unser Kleinwagen bot hierfür die optimalen Bedingungen: Abgefahrene Reifen, ausgelutschte Kupplung und ab Tempo 30 scheppert es vorne rechts im Radkasten, dass einem schon mulmig werden kann. Immerhin gehen die Bremsen. Ganz lieben Gruß an dieser Stelle übrigens an Hertz Montenegro, die uns diese Gurke von Mietwagen angedreht haben.

Und auch das Wetter hätte fast dafür gesorgt, dass aus dem Ring of Durmitor ein Schwimmring von Durmitor geworden wäre: Mit Regenschauern in der Nacht zuvor und am Morgen war sicher die ideale Grundlage für eine Bergtour auf potenziell schlammigen Straßen gelegt worden.

Karte vom Durmitor-Ring

Hier mal eine Google Map zum Ring of Durmitor, damit ihr einen Überblick habt:

Wir sind die Strecke im Uhrzeigersinn gefahren, man kann es aber natürlich auch umdrehen. Die Route führt von Zabljak über den Sedlo-Pass vorbei am Bobotov Kuk, dem höchsten Berg der Durmitor-Region. Es folgen die unscheinbaren Bergorte Trsa und Stuoc, die vor allem als Orientierungspunkte auf dem Weg dienen.

Tolle Ausblicke – temperamentvolle Fahrer

Der Durmitor-Ring im Uhrzeigersinn: Die ersten Kilometer hinter Zabljak führen durch eine Hochebene mit Ausblicken. Auf dem Weg zum Sedlo-Pass wird die Straße schmaler, die Umgebung bergiger. Fantastische Ausblicke wie in der Schweiz oder einigen Gegenden Schottlands warten hinter jeder der unzähligen engen Kurven. Immer wieder gibt es Haltebuchten – hier kann man prima Fotos machen oder einfach mal den Gegenverkehr vorbeilassen. Doch auch ohne Haltebucht beweisen die Montenegriner und Serben auf der Strecke ihren Ruf als temperamentvolle Autofahrer: Überholen geht auch bei einspurigen Straßen bergauf und direkt vor nicht einsehbaren Kurven. Wenn es eng wird, klappt man einfach per Hand den Außenspiegel ein und gibt erst dann Gas…

Zweckbauten statt Berg-Chalets

Der Sedlo-Pass bietet eine gute Gelegenheit für eine kleine Pause. Hinter ihm gehen die Serpentinen weiter – und die Gegend wird richtig einsam. Die kleinen Orte (wie Trsa) an der Strecke bestehen oft nur aus ein paar zusammengewürfelten Häusern und einer Scheune. Unverputzte Zweckbauten aus grauem Beton anstatt malerischer Berg-Chalets. Einige Bauern scheinen wirklich hier oben in den Bergen zu leben und mit der Schafzucht ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ansonsten gibt es viel unverbaute Natur zu bestaunen.

Willkommen im Land der Schlaglöcher

Bis Nedajno ist die Straße problemlos zu befahren. Es ist alles asphaltiert, keine schlammigen Feldwege wie wir befürchtet hatten. Natürlich gibt es Schlaglöcher wie Sand am Meer und wir werden in unserem Chevrolet Spark ordentlich durchgeschüttelt (hatte ich schon erwähnt, dass die Federung auch hinüber ist?).

Schotterpiste beim Ring of Durmitor

Drei Kilometer Offroad-Piste

Zwischen Nedajno und dem Susicko-See wird es haarig. Es fängt damit an, dass uns bei der Abzweigung in Richtung Zabljak ein junges tschechisches Pärchen in seinem neuen Peugeot entgegen kommt. Sie scheinen etwas Angst um ihr Auto zu haben. „This road is not good for us“, lautet ihr Kommentar. Auch als wir ihnen erklären, dass es bis Zabljak in dieser Richtung nur etwa 20 km sind – in die andere Richtung hingegen 60 km auf der Ringstraße, wollen sie ihren kostbaren Wagen nicht auf das folgende Wegstück loslassen. Wir hingegen folgen einfach der Devise „Don’t worry, it’s a rental!“ (zu Deutsch etwa: Keine Sorge, ist ja nur ein Mietwagen) und sind ganz froh, dass wir uns auch gegen Reifen- und Unterbodenschäden versichert haben. Es folgen etwa drei Kilometer pure Schotterpiste, an der Offroad-Fahrer sicher ihre helle Freude hätten. Tief graben sich die Reifen unseres Kleinwagens in den Schlamm, der Wagen bäumt sich auf, als wir ihn hochtourig im ersten Gang über die Schlaglöcher jagen.

Man darf sein Auto nicht lieben

Im Reiseführer hatte gestanden: Man darf sein Auto nicht lieben, wenn man diese Strecke fahren will. Das stimmt wirklich. Andererseits sind es aber auch nur drei Kilometer. Dann landet man unverhofft auf einer absolut neuen Straße, die gerade den Berg hinaufgebaut wird. Ab hier ist die Strecke kein Problem mehr und der Weg nach Zabljak ist gut ausgeschildert. Geschafft und doch glücklich erreichen wir unsere Ferienwohnung. Unser Auto hat es auch überlebt. Vielleicht kannte es die Strecke auch schon von seinen Vormietern. Und wir können jetzt sagen: Der Ring von Durmitor – wir haben ihn bezwungen!

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