Los Angeles: Stadt im Stau

Wie eine riesige Krake erstreckt sich Los Angeles vom Meer über die Ebene bis in die Täler der viele Meilen entfernten Berge. Eine Stadt, die dem Betrachter die Beschreibung schon deshalb erschwert, weil sie kein Zentrum hat. Ähnlich wie der Ruhrpott besteht auch Los Angeles aus vielen einzelnen Städten, die nach und nach zusammengewachsen sind. Ein weit verzweigtes Netz aus Straßen und Autobahnen verbindet die einzelnen Teile.

Wer in Los Angeles kein Auto hat, ist aufgeschmissen. Wer eines hat, steht die meiste Zeit im Stau. Der englische Begriff „traffic jam“ trifft es ziemlich genau: Der Verkehr auf den sechsspurigen Highways ist zu jeder Tageszeit so zähklebrig wie die Marmelade, die es morgens in unserem Motel zum Frühstück gibt. Der Nahverkehr mit zwei U-Bahnlinien und drei Stadtbahnstrecken wird der Größe der Stadt nicht gerecht. Auch per Bus sind viele Orte nicht oder nur sehr umständlich zu erreichen.

Drei Versuche, die Metropole Los Angeles zu fassen:

1.       Hollywood Boulevard

Wer nach Los Angeles fährt, um Glanz und Glamour zu sehen, kann gleich zu Hause bleiben. Wer reich und berühmt ist, wohnt in abgeschirmten Residenzen. Der bekannte Hollywood Boulevard ist eine einzige Ramsch-Meile. Selbsternannte Rapper drücken einem ungefragt ihre gebrannten Aufnahmen auf CD in die Hand (und wollen hinterher Geld), ein Jack Sparrow-Verschnitt lässt sich für ein paar Dollar mit einem fotografieren. Flyer-Verteiler werben für einen trashigen 10-Dollar-Souvenir-Laden. Die Fahrt dorthin ist die Zeit wirklich nicht wert.

2.       Warner Bros. Studio Tour

In den Warner Bros. Studios sind wir der Filmindustrie auf der Spur. Die Rundgänge über das Gelände heißen „VIP-Tour“ und dauern etwa drei Stunden. Nach einem kurzen Einstimmungsfilm mit Ausschnitten aus einigen guten und vielen eher schlechten Filmen und Serien geht es auch schon los. Unser Guide Viktor lotst und zu einem großen Golf-Cart, in welchem zehn Besucher Platz finden. Wir fahren durch verschiedene Straßenzüge: Amerikanische Kleinstadt, Chicago, New York. Alles Kulissen, die vor allem in Serien Verwendung finden.

„Erinnert ihr euch noch an die sechste Folge der achten Staffel von Serie XY? Die Szene wo Emily endlich Brad küsst?“, fragt Viktor dann etwa und beantwortet die Frage dann selbst: „Das wurde hier gedreht.“ So fahren wir von Kulisse zu Kulisse, steigen zwischendurch aus und laufen ein paar Schritte. Viktor erklärt zu jedem Ort minutiös, wann und wo er in welcher Folge aufgetaucht ist. Um es kurz zu machen: Die Warner Bros. VIP Tour ist nur was für eingefleischte Serienfans – also Leute, die jede Folge von „Friends“ oder „Pretty Little Liars“ mindestens fünf Mal gesehen haben und sich genau an jedes Detail erinnern. Filme, so der Eindruck, werden in den Studios jedenfalls kaum noch gedreht. Nach drei Stunden sind wir froh, wieder am Hauptgebäude anzukommen, denn nicht nur die staubigen Kulissen, sondern auch die Sprüche von Viktor („Follow me, folks“, „That’s pretty cool hm?“) erschöpfen sich schnell.

3.       Das Getty-Museum

Los Angeles ist nicht nur die Stadt des Films, sondern auch der Kunst. Davon zeugt das beeindruckende Kunstmuseum, welches die Getty Stiftung auf einem Hügel im Norden von Los Angeles gebaut hat. Typisch für Los Angeles ist der Eintritt kostenlos, das Parken kostet aber 15 Dollar.

Vom Parkhaus fährt eine Monorail den Berg hinauf zum Museum. Die Ausstellungen hier sind eher kompakt, aber dafür kann man sich mehrere anschauen. Die Kunst ist nach Jahresangaben sortiert, so gibt es „Art before 1700“, „Art 1600-1800“ und „Art after 1800“. Tatsächlich sind viele bekannte Künstler mit Werken hier vertreten, wenn die Zusammenstellung teilweise auch etwas willkürlich wirkt. Das hält einen älteren Asiaten aber nicht davon ab, jedes Gemälde im Raum inklusive der Beschreibungstafel abzufotografieren (was offenbar nicht verboten ist). Ob er die Fotos später den Daheimgebliebenen zeigt? „Hier ist das Getty-Museum. Braucht ihr gar nicht mehr hinzufahren, ich habe alles auf meiner Festplatte!“

Auch eine interessante Foto-Ausstellung über Los Angeles gibt es. Ein Bild wird mir vor allem in Erinnerung bleiben: Es ist in der Mitte in zwei Hälften geteilt. Auf der oberen Hälfte ist ein Strand voller Menschen zu sehen. Auf der unteren der dazugehörige volle Parkplatz.

Skurrile Produkte: Leninade

Es ist nicht überliefert, ob Wladimir Iljitsch Uljanow, bekannt als Lenin, auf seiner Datscha in Gorki im Sommer manchmal gerne eine Limonade trank. Und so wissen wir auch nichts über die geschmacklichen Vorlieben des marxistischen Theoretikers und Begründers des sowjetischen Staates in Bezug auf Limonade.

Umso absurder mutet es an, dass mehr als zwanzig Jahre nach dem Scheitern des Kommunismus, ausgerechnet im Land des Klassenfeindes USA eine Limonade auf den Markt gebracht wird, die seinen Namen trägt und mit seinem Kopf für den Genuss wirbt.

Doch damit nicht genug: Rund ein Dutzend mehr oder weniger lustiger Sprüche zieren die Flasche. “Get hammered & sickled!” heißt es da etwa oberhalb des Hammer-und-Sichel-Logos. Direkt darunter: “A taste worth standing in Line for!” Es handelt sich bei Leninade offenkundig um eine politisch inkorrekte Limonade.

Auf der Rückseite der Flasche wird ein Fünf-Jahres-Plan angepriesen: “Drink a bottle a day for five years and become a Hero of Socialist Flavor”. Ja, das hätten die kapitalistischen Limo-Produzenten gerne, dass wir jeden Tag eine Leninade trinken – in fünf Jahren immerhin 1826 Flaschen.

Wir probieren erst mal eine Flasche, und schon die möchte man nicht in einem Zug austrinken. Leninade sieht zwar verlockend rot aus, schmeckt aber nicht nach Zitrone oder Grapefruit, sondern schlicht nach Zuckerwasser.

Fazit: Leninade ist ein bisschen wie Kommunismus. Schmeckt nicht, aber man muss ihn zu Ende austrinken. Oder wie der etwas grenzwertige Spruch auf der Flasche besagt: “Drink Comrade! Drink! It’s this or the Gulag!”

Von San Francisco nach LA

Rund 700 km liegen zwischen San Francisco im Norden Kaliforniens und Los Angeles im Süden. Natürlich kann man für diese Strecke den fast schnurgeraden Highway 5 im Landesinneren nehmen. Viel schöner aber ist die Strecke direkt an der Küste entlang auf dem alten Highway 1.

Prägen zu Beginn noch kleine Küstenorte wie Monterey oder das herausgeputzte Carmel das Bild, beherrscht bald nur noch die Natur den Blick aus dem Autofenster. Aus flachen Stränden wird eine schroffe Steilküste.

Alle paar hundert Meter lädt ein Viewpoint zum Halt am Straßenrand ein und eröffnet neue Ausblicke auf das Meer.

Wobei man eigentlich doch nie so ganz alleine ist, denn die Küste von Big Sur steht in jedem Reiseführer und dementsprechend viele Mietwagen-Touristen sind auf dem Highway 1 unterwegs und machen ebenfalls Fotos.

Die Straße ist schmal und führt in engen Kurven an der Steilküste entlang. Wirklich schnell kann man hier nicht fahren und dennoch ist es ein einmaliges Fahrerlebnis. Wobei sicher auch die Automatik des Wagens dazu beiträgt, denn sonst wäre man bei den ständigen Steigungen aus dem Schalten gar nicht mehr herausgekommen.

Der Hearst State Beach gehört zum Erbe des Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst, der sich ein absurd großes und protziges Anwesen auf einem Hügel an der Küste gebaut hat. Auch der Strand mit Seebrücke gehört dazu – und kann anders als das Anwesen kostenlos besichtigt werden.

Ein schöner Zwischenstopp mit Übernachtung bietet sich etwa auf halber Strecke in Morro Bay an. Die Promenade am Ufer ist eine einzige Touristenfalle, aber der Blick auf das Meer und den Felsen von Morro Bay entschädigen dafür. Leider ist es noch recht kalt und so sieht der Sonnenuntergang zwar schön aus, aber längere Zeit möchte man trotzdem nicht am Strand verbringen.

Am nächsten Morgen geht es dann weiter in Richtung Los Angeles. Wenige Kilometer hinter San Luis Obispo fahren wir aber noch einen echten Geheimtipp an: Avila Beach. Der kleine Strand ist nicht ausgeschildert und liegt direkt unterhalb der Steilküste. Robben sonnen sich auf den Felsen im Wasser, Bikini-Schönheiten räkeln sich in der Sonne, einige Nudisten lassen alle Hüllen fallen. Nur Schwimmen geht keiner – der Pazifik ist auch eiskalt. So sonnen auch wir uns einfach ein bisschen…

80 Zentimeter Kleingedrucktes

Ein Auto in den USA zu mieten ist ein kleines Abenteuer. Grund sind die Autovermieter, welche mit verschiedenen Tricks und Kniffen versuchen, einem zusätzliche Leistungen oder Upgrades zu verkaufen. So auch bei DOLLAR, unserer Autovermietung in San Francisco:

1. Versuch: „Das Auto, das sie sich ausgesucht haben ist sehr klein“

Wir haben tatsächlich das kleinste Auto gebucht, das von der Größe etwa dem neuesten VW Polo entspricht (also fast vier Meter lang ist). Der Verkäufer versucht uns nun einen größeren Wagen schmackhaft zu machen. Der wäre viel bequemer, hätte eine bessere Klimaanlage und sei für uns doch viel passender. Dabei deutet er auf eine laminierte Übersicht auf der Theke mit vielen großen glänzenden Autos. Wir erklären fröhlich, dass die Autos in Deutschland ja noch viel kleiner seien und wir immer das Fenster runterkurbeln, wenn uns zu warm werde.

2. Versuch: „Sie sind unterversichert. Was passiert, wenn sie den Wagen gegen eine Mauer fahren oder den Schlüssel im Auto vergessen? Das kostet schnell 3000-4000 Dollar…“

Natürlich haben wir die wichtigsten Versicherungen schon mitgebucht. Haftpflicht und Vollkasko ohne Selbstbeteiligung. Der Verkäufer versucht uns nun, eine „Roadsafe“-Versicherung aufzuschwatzen. Für nur 5,99 Dollar pro Tag (vermutlich plus Steuern) wären wir optimal geschützt. Bei 16 Tagen kommen so rund 100 Dollar zusätzlich zusammen. Wir lehnen mehrfach ab, irgendwann gibt er auf.

3. Versuch: Die Tankregelung

Hier bleibt es nicht beim Versuch, denn die Tankregelung ist bei Mietwagen in den USA tatsächlich anders als in Deutschland: Man kauft bei der Anmietung die erste Tankfüllung mit und darf dafür das Auto leer zurückgeben. Wenn man den Wagen nicht komplett leer zurückgibt, schenkt man dem Vermieter den Rest. In Deutschland mietet man Autos hingegen voll und gibt sie voll zurück. Inzwischen gibt es auch Mietwagen-Angebote für die USA, in denen die erste Tankfüllung bereits inklusive ist. Doch hier lohnt das genaue Rechnen, zumal die Spritpreise in den USA deutlich günstiger sind.

Am Schluss müssen wir alle gewählten und auch die nicht gewählten Optionen (u.a. eine “Emergency Sickness Protection”) auf einem Touchscreen bestätigen. Hinzu kommen Hinweise zu mautpflichtigen Straßen, für die wir ein extra Paket erwerben können, sowie zu Verkehrsbußen, welche mit einem 25-Dollar-Aufschlag abgerechnet werden. Alles in allem bestimmt zehn Bildschirmseiten mit Kleingedrucktem, welches wir in einem nicht gerade transparenten Verfahren bestätigen. Als wir die Tortur überstanden haben, drückt uns der Autovermieter einen etwa 80 cm langen Bon in die Hand. Er lächelt: „I still got a nice car for you“.

Oh hoppla, da hab ich wohl die Bilder verwechselt. Hier nun unser “Kleinwagen”: Ein fast neuer Ford Fusion mit vier Türen, Klimaanlage und viel Stauraum hinten.

Das Kreuzberg von San Francisco

Das Mission District ist ein bisschen wie Berlin-Kreuzberg: Das Viertel ist schäbig, schick und steht in praktisch jedem Reiseführer. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen!

Begrüßt werden wir im Bus Nr. 49 mit Ansagen auf Englisch, Chinesisch und Spanisch. Ein erstes Zeichen dafür, dass es in Mission multikulturell zugeht – man stelle sich mal vor, im M29 in Kreuzberg gäbe es Durchsagen auf Türkisch. In den letzten Jahrzehnten haben vor allem Mexikaner das Mission District geprägt, was sich unschwer an den zahlreichen Taquerias, Geschäften mit Südfrüchten und dem Stimmengewirr in den Straßen erkennen lässt.

Namensgebend für das Viertel war die 1776 erbaute Mission Dolores, das älteste Gebäude San Franciscos. Die „neue“ Basilika (auf dem Foto rechts) wurde erst Anfang des letzten Jahrhunderts fertiggestellt. Bekannt wurde die Kapelle durch Alfred Hitchcocks Vertigo (1958).

Typisch für ein angehendes Szeneviertel ist “The Mission” im ständigen Umbruch. In der bekannten Mission Street findet man neben kleinen Geschäften für den täglichen Gebrauch zahlreiche Restaurants mit einer Vielfalt an Küchen (vietnamesisch, mexikanisch, organic). Dazu gesellt sich eine Reihe an eher schmucklosen Ein-Dollar-Läden.

Erstaunt sind wir über die vielen ehemaligen Kinos, die mittlerweile nicht mehr in Betrieb sind und zu Supermärkten oder Billigshops umfunktioniert wurden oder zum Verkauf stehen.

Zwei Blöcke weiter wandelt sich das Bild, hier reihen sich schicke Cafés an kleine Boutiquen, in denen selbst Genähtes verkauft wird. Und selbst alt eingesessene amerikanische Burgerläden fügen sich wie selbstverständlich in diese Mischung ein.

Cable Cars in San Francisco

Auf Wunsch einer einzelnen Dame wollen wir heute noch kurz auf die für San Francisco so typischen Cable Cars eingehen. Seit 1873 fahren die Kabelstraßenbahnen auf verschiedenen Strecken durch die Bucht. Die ganze Geschichte kann man ausführlich hier nachlesen. Heute sind die Cable Cars von San Francisco vor allem Touristenattraktion. Alle paar Minuten fährt eine bis unters Dach mit Besuchern bepackte Tram vorbei. Uns hat das Ganze an die kleinen Bimmelzüge erinnert, die es in vielen Orten an der Ostsee gibt und die auf der Straße fahren (haben die eigentlich einen bestimmten Namen?). Eine Fahrt mit dem Cable Car ist also etwa so authentisch wie eine Stadtrundfahrt mit dem Hop-on-hop-off-Bus bei uns. Wir haben uns also das Mitfahren (und fünf Dollar pro Person) gespart. Am besten sehen die Cable Cars ohnehin von außen aus:

Und weil es so schön war, hier noch ein Video von einem Cable Car, das um die Ecke fährt (selbst gefilmt!):

Die Amerikaner und ihre Parks


Quelle: Golden-Gate-Park.com

Man kann vieles sagen, aber sicher nicht, dass im Golden Gate Park nichts los wäre: So gibt es neben mehreren Museen auch neun Seen, einen Golfplatz, mehrere Polo-Felder, Pferdeställe, einen Tretbootverleih, einen Teich zum Fliegenfischen und einen für Modellschiffe, zwei Windmühlen, einen Skatepark, ein Karussell, ein Bison-Gehege und einen Anbieter von Segway-Touren. Und wir haben sicher noch einige Attraktionen übersehen.

Eher nebensächlich wirken da die Wald- und Wiesenstücke des Golden Gate Parks. Die Amerikaner scheinen einfach ein ganz anderes Verständnis von einem Park zu haben als wir. Bei uns ist ein Park vor allem Grünfläche. Am Rand gibt es vielleicht noch einen Kiosk oder ein Café. Bei den Amerikanern definiert sich ein Park hingegen eher als Freizeitpark mit Erlebniswert – je mehr Attraktionen, desto besser.

Park und Parken

Im Golden Gate Park konnten wir zudem den Eindruck gewinnen, dass „Park“ für die Amerikaner vor allem etwas mit „Parken“ zu tun hat. Als wäre es nicht genug, dass ein mehrspuriger Highway den Park in Nord-Süd-Richtung durchschneidet und in zwei Hälften teilt, sind auch noch die übrigen Teile des Grüns von Straßen durchzogen. Nicht, dass auf dem John F. Kennedy-Drive oder dem Martin Luther King Jr Drive viel Verkehr wäre. Die meisten Straßen werden hauptsächlich zum Parken verwendet.

Und so kommt es, dass im Golden Gate Park kaum fünfzig Meter zwischen einer Liegewiese und der nächsten Straße liegen. Es ist ja auch ungemein beruhigend: Durch eine Baumgruppe oder ein Unterholz fällt der Blick auf die geparkte Mittelklasse-Limousine (ich kann jederzeit wieder weg). Im Hintergrund rauscht lieblich der Highway (ich bin nicht allein auf dieser Welt). Was wäre die Natur nur ohne das Auto. Unbequem wäre sie, geradezu wild. Also genau das Gegenteil von einem angelegten und gepflegten Park. So betrachtet macht das Sinn mit den Parks und dem Parken.